
„Ein bisschen Bi schadet nie“, das ist ein Satz der beim jungen Michael Keitsch hängenbleibt. Als Jugendlicher hört er das erste Mal von Bisexualität. Ein positiver Eindruck ist es nicht. Männliche Bisexualität, findet Keitsch, werde auch heute noch mit einem gewissen Ekel betrachtet, „ein Mann, der es mit allen treibt“. Weibliche Bisexualität auf der anderen Seite werde aus einem heterosexuellen Male-Gaze heraus fetischisiert.
Als Bisexuelle werden Männer und Frauen bezeichnet, die sich emotional und/oder sexuell sowohl zu Männern als auch zu Frauen hingezogen fühlen. Sie können mit den beiden Geschlechtern sexuelle oder nicht-sexuelle, emotionale Beziehungen eingehen oder sich dies wünschen.
Deutsche Bundeszentrale für politische Bildung
Wenn nicht gerade blöde Sprüche über Bisexualität geklopft wurden, sei es ruhig um das Thema Bisexualität gewesen. Geradezu totenstill. Als Michael Keitsch vor zwanzig Jahren langsam begreift, dass seine Sexualität nicht in das Heteroschema hineinpasst, war von Bisexualität in den Medien nichts zu hören.
Heute ist es anders. Bisexualität schafft es nicht nur häufiger auf die Bildschirme, sondern hat auch in Wien eine Gemeinschaft. Michael Keitsch ist Teil von VisiBi*lity Austria, ein Netzwerk für bisexuelle Menschen in Österreich. Gemeinsam setzen sie sich für mehr Sichtbarkeit in der Gesellschaft ein.
Denn in der medialen Berichterstattung werde man bis heute immer noch kaum gesehen oder repräsentiert. „Ich kann gefühlt an einer Hand die Beiträge zum Thema Bisexualität aufzählen, die mir in den letzten Jahren untergekommen sind“, so Michael Keitsch.
Auch persönlich spürt er diese Unsichtbarkeit. Selbst in der LGBTQIA+ Community fühlt er sich mit seiner ebenfalls bisexuellen Partnerin nicht vollständig gesehen. In den Augen der anderen erscheinen sie als Hetero-Paar. Diese Lücke zwischen Homosexualität und Heterosexualität ist groß und schwer zu füllen. Das Bewusstsein fehle. Keitsch und die Menschen bei VisiBi*lity Austria wollen sich deshalb auch in Zukunft weiter für mehr Sichtbarkeit einsetzen. Für eine buntere Lücke.