Un_sichtbare Körper – Intergeschlechtlichkeit

Tinou Ponzer – © Tinou Ponzer /VIMÖ

Manche Menschen werden mit intergeschlechtlichen Genitalien geboren oder besitzen Geschlechtsmerkmale (chromosomal, anatomisch und/oder hormonell), die nicht den „klassischen Idealen“ eines rein männlichen oder weiblichen Körpers entsprechen – sie sind Inter*

Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich

Intergeschlechtlichkeit ist ein Wort mit dem Tinou Ponzer, wie viele andere, erst spät in Berührung kam. Tinou Ponzer ist heute im Vorstandsteam von VIMÖ (Verein für Intergeschlechtliche Menschen Österreich) aktiv und setzt sich für mehr Sichtbarkeit ein. Ponzer verwendet keine Pronomen.

Intergeschlechtlichkeit ist vielfältig: Nicht alle inter* Personen haben die gleichen körperlichen Merkmale oder identifizieren sich außerhalb binärer Geschlechter. Manche verstehen sich als Frauen oder Männer, andere nicht. Gesellschaftlich wird dies jedoch kaum thematisiert, oft bleibt Intergeschlechtlichkeit unsichtbar.

Diese Unsichtbarkeit reicht bis in das Feld der Medizin. Ärzt*innen vermuten bei Tinou Ponzer zunächst eine ernsthafte Erkrankung. In der Regel handelt es sich aber nicht um eine Krankheit, sondern einfach um intergeschlechtliche Merkmale. Zu dem damaligen Zeitpunkt gibt es in Österreich kaum Informationen und keine Anlaufstellen. Seit 2014 versucht VIMÖ genau das zu ändern.

Tinou Ponzer über die Arbeit von VIMÖ

Noch immer fehlt es an gesellschaftlichem Bewusstsein. Intergeschlechtliche Menschen kommen in klassischen Medien selten vor. Wenn doch, dann oft vereinzelt. Ein Beispiel für mehr Sichtbarkeit ist der Film Tintenfischalarm mit Alex Jürgen. Solche Momente bleiben jedoch die Ausnahme. Selbst wenn Themen, die Intergeschlechtlichkeit berühren in den Massenmedien thematisiert würden, werde VIMÖ nicht angefragt. In sozialen Medien sieht Ponzer zwar eine zunehmende Präsenz. Doch diese erreiche nicht die gleiche gesellschaftliche Wirkung wie klassische Medien.

Repräsentation ist dabei nicht nur eine Frage der Sichtbarkeit, sondern auch der Vielfalt. Einzelne Geschichten reichen nicht aus, um die unterschiedlichen Lebensrealitäten intergeschlechtlicher Menschen abzubilden. Ponzer findet es daher umso wichtiger, dass bei der Berichterstattung über inter* Themen eine Mischung verschiedener inter* Biografien erzählt werden sollte. Und wenn das nicht möglich ist, dies kritisch zu beleuchten und die Limitation auszuweisen.

Etwa jede 60. Person habe intergeschlechtliche Merkmale doch nur ein Bruchteil lernt den Begriff Inter* kennen. Ein Verbot von Operationen oder anderen Behandlungen, die gesundheitlich nicht notwendig sind, an Menschen, die noch nicht selbst entscheiden können, wird seit Jahren vergebens gefordert. Solange diese Missstände existieren, wird bei VIMÖ weiter für mehr Sichtbarkeit gearbeitet.