
Die Sichtbarkeit von männlicher Homosexualität ist keine Selbstverständlichkeit. Lange ist es ein Tabuthema, das in den 1990er Jahren in die Schlagzeilen der Medien kommt. Das Scheinwerferlicht ist jedoch giftig und stellt Schwule als Seuchenübertragende dar. Für schwule Männer konnte ihre Identität über Leben und Tod entscheiden. Gewalt und Diskriminierung sind Alltag. Schwul zu sein ist ein Kampf und das Label Schwul eine Kampfansage.
Dr. Raz Ion stand damals für die AIDS-Kranken auf der Straße. Er ist jedoch nicht nur seit seiner Jugend als Aktivist tätig, sondern gründet als Journalist das Magazin GAY45. Der in den Niederlanden geborene Ion arbeitet heute als Professor für Quantum Critical Thinking in Wien. Seine journalistische Karriere hat er nicht ganz an den Nagel gehängt. Manchmal schreibt er noch Artikel, hat sich aber weitestgehend aus dem Redaktionsprozess von GAY45 zurückgezogen.
GAY45 ist ein internationales Magazin, mit Sitz in London und Wien. Es ist ein queeres Magazin, das einen Anspruch auf qualitativen Journalismus vertritt: Von der Community für die Community. Die Redaktion ist jung geblieben und besteht, wie Ion stolz erzählt, hauptsächlich aus Menschen der Generation Z, die auch für andere renommierte internationale Medien tätig sind.
Queere Medien seien in Europa nach wie vor rar, sagt Dr. Raz Ion. Die politischen Zeiten würden es nötig machen, mehr denn je die Wahrheit gegenüber politisch korrupten Mächten zu verteidigen. Schwule Männer, wie Peter Thiel oder Sam Altman (CEO von OpenAI) sollen davon nicht ausgenommen werden. „Wir hören nicht auf, kritisch hinzuschauen, nur weil es um die Identität einer Person geht. Wenn Menschen, die sich als schwul identifizieren, in Machtpositionen sind – vor allem in solchen, die problematisch oder korrupt sind – dann gelten für sie dieselben Maßstäbe wie für alle anderen.“ Gleichzeitig sei es für GAY45 wichtig, mehr selbstbewusste und differenzierte Repräsentation zu schaffen.
Dr. Raz Ion beobachtet, dass sich die gesellschaftlichen Vorstellungen von Geschlecht und Identität in den letzten Jahren verschieben. Festgefahrene Geschlechter- und sexuelle Orieterungskatgeorien würden keine neuen Freiheiten bringen. „Freiheit braucht keine Zuschreibungen“, meint er dazu. Auch technologische Entwicklungen würden dazu beitragen, starre Kategorien infrage zu stellen. KI zeige die Limitation der binären Denkweise. Ion ist überzeugt, dass die Sichtbarkeit von Queerness durch technische Fortschritte wachsen wird.